Sonntag, 31. Oktober 2010

WANNWEIL VOR 40 JAHREN, -1970- TEIL 3

Eine wichtige Quelle zur Gegenwartsgeschichte Wannweils ist die von dem langjährigen Feuerwehrkommandanten Günter Niemeyer (geb. 1927, verzogen nach Eningen1988 und dort 2009 verstorben. Er wurde 82 Jahre alt) geführte Chronik aus den Jahren 1970 bis 1985. Niemeyer war ein Jahrgangskollege des langjährigen FDP-Außenministers Hans-Dietrich Genscher, der ihn einmal in Wannweil in der Marienstraße 25 besuchte. Niemeyer trat 1951 in die Wannweiler Feuerwehr ein. Er führte diese Chronik von 1970 bis 1985.

Im Folgenden soll daran erinnert werden, was die Wannweiler vor 40 Jahren, im Jahre 1970 bewegte. In diesen Beiträgen werden Leute genannt, die 1970 eine Rolle spielten. Einige sind schon vergessen. Der Nutzen mancher Baumaßnahme, die 1970 umstritten war, wird heute als selbstverständlich hingenommen.

Im Juli 1970 wird der Ausbau der Kusterdinger Straße geplant. Die Eindolung des Ebbachs soll erfolgen. Die Brücken in der Bahnhofstraße und in der Kusterdinger Straße sollen abgebrochen und erneuert werden. Das wurde bis 1974 verwirklicht. Es ist "von der Brücke beim Lebensmittelgeschäft Gueudin" die Rede. 2010 kann man sich die Situation an der Echaz gar nicht mehr vorstellen. Das frühere Lebensmittelgeschäft von Reichart wurde zuletzt von türkischen Mitbürgern betrieben. 2010 befinden sich dort Parkplätze und eine Grünanlage. In den Jahren 2008 und 2009 waren diese Brücken sanierungsbedürftig.

Die Baulandpreise betragen 60 DM pro Quadratmeter. Beim Erntedankfest ist die Johanneskirche mit 600 Plätzen und das Gemeindehaus voll besetzt. Der Gesangverein unter Gustav Schaumburg jun. singt "Herr Deine Güte", Tonsatz von A. E. Grell (1800 bis 1886). Das Pfarrhaus wird umgebaut. Der ev. Kindergarten, erbaut im Bungalowstil, wird bis April 1971 fertig. Das Gebäude wurde inzwischen mehrfach saniert. Im Heges wird eine Oberflächenteerung vorgenommen. Dafür bedanken sich die betroffenen Bürger, was besonders hervorgehoben wird. Rektor Arno Schmid (geb. 1928, lebt 2010 mit Ehefrau Katharina als Rentner in Wannweil) erläutert den Raumbedarf der Uhlandschule, die 1970 von 450 Schülern besucht wird.

Immer wieder bereitet der Firstbach Probleme, weil er Oberflächenwasser vom Industriegebiet Reutlingen-West aufnehmen muß. Der Bundestagsabgeordnete Anton Pfeiffer (CDU) verspricht, sich für die Finanzierung des Echazausbaus einzusetzen. Wannweil hat dabei besondere Probleme, weil es am Unterlauf der Echaz liegt. Wegen des Bevölkerungswachstums sollte der 68 Ar große Friedhof erweitert werden. Es sollen auch endlich Parkplätze für die Friedhofsbesucher angelegt werden. Anläßlich der Erweiterung der Johanneskirche wurde der Friedhof in das Gewann "Wüste" verlegt. Das war seinerzeit auch ein finanzieller Kraftakt für die Gemeinde . 1940 wurde unter Bürgermeister Zanzinger (Bürgermeister von 1932 bis 1942) die Leichenhalle errichtet mit dem berühmten Glasfenster. Sie ist 2010 weitgehend noch stilrein vorhanden. Um 1965 wurde die Aussegnungshalle erbaut. 2008 wurde wegen der schwierigen Bodenverhältnisse ein Grabkammernsystem geschaffen. So finden auch auf dem Friedhof ständig Veränderungen statt. Dazu tragen auch die Wandlungen des Zeitgeschmacks in der Sepulkralkultur bei.

Botho Walldorf

Kommentare:

Harry Pasiak hat gesagt…

Ich finde es immer wieder erfrischend diese Geschichtsabrisse Wannweils zu verfolgen! Liebevoll eingebettet werden auch die Detailinformationen mancher Ereignisse, wie beispielsweise die Angabe welches Stueck der Gesangsverein seiner Zeit sang.
Danke!

Anonym hat gesagt…

Nur zur allgemeinen Information: der Dirigent des Gesangvereins war Oskar Schaumburg, der heute noch aktiv beim Gesangverein im Tenor mitsingt. R.